Von Menschen und Wölfen

‚Wenn im Wald ein Wolf einem Wolf begegnet, dann denkt er sich: Ah, sicher ’n Wolf. Aber wenn ’n Mensch im Wald einem Menschen begegnet, dann denkt der sich: Ah! Sicher ’n Mörder!‘

„Bernd Stromberg“

Eine Begegnung, zu der dieses Zitat vom fiesesten Chef Deutschlands aus der gleichnamigen Comedyserie passt, hatte ich am vergangenen Freitag Abend auf einer Dienstreise von Köln zurück nach hause.

Nach einem kurzen Tankstopp an der Autobahnraststätte Gruibingen hielt ich ungefähr 20 Minuten später für eine Zigarettenpause auf einem Parkplatz an der A8. Es war inzwischen kurz vor 20:00 Uhr und der ungleiche Kampf zwischen Pkw und Lkw um freie Parkplätze war bereits in vollem Gange. Auch heute – nicht nur lästig, sondern auch sehr gefährlich – standen bereits zwei große Sattelschlepper auf der rechten Seite der Parkplatzauffahrt. Glücklicherweise ergatterte ich am Ende des Parkplatzes eine freie Lücke.

Während ich in Gedanken bereits mein Wochenende plante, riss mich ein lautes Hupen aus meinen Planungen. Ungefähr 30 Meter von mir entfernt, hielt ein großer Gigaliner mit polnischem Kennzeichen, und der Fahrer gestikulierte wild in meine Richtung. Das Hupen wurde auch inzwischen durch Lichthupe begleitet. Aus meinen bisherigen Erfahrungen und Erlebnissen war mir sofort klar, was Sinn und Zweck dieser Übung sein sollte. Ich habe durchaus Verständnis, dass Lenk- und Ruhezeiten eingehalten werden müssen, aber es fehlt mir das Verständnis, dass ich aus diesem Grund nun meinen Parkplatz freimachen sollte.

Einige Minuten später bemerkte ich aus den Augenwinkeln, dass der Fahrer – 1,90 cm groß und mutmaßlich deutlich kräftiger als ich – aus seiner Fahrerkabine ausgestiegen war und sich in meine Richtung bewegte. „Da sucht jemand Ärger“, schoß es mir in den Kopf. Gleichzeitig dachte ich darüber nach, welchen waffenähnlichen, zur Selbstverteidigung geeigneten Gegenstand ich denn griffbereit habe. Zu spät, denn mein vermeintlicher Kontrahent stand bereits einen halben Meter vor mir und versuchte mir in polnischer Sprache etwas mitzuteilen. Nachdem ich der polnischen Sprache nicht mächtig bin, zuckte ich lediglich mit den Achseln und war dabei, mich wegzudrehen. Der Fahrer packte mich am Arm, zog mich in Richtung der rechten Seite meines Autos, um auf meinen Tankdeckel zu zeigen. Tatsächlich hatte ich beim Tanken vergessen, den Deckel wieder korrekt einzurasten.

Deutlich verlegen bedanke ich mich mit Gesten und setze meine Heimreise fort. Während der verbleibenden 100 Kilometer in Richtung Heimat versuche ich eine Antwort auf die Frage zu finden, warum man oft von seinem Gegenüber nur das Schlechteste annimmt. Es soll mir eine Lehre gewesen sein!

Ein schönes Wochenende!