Ein Gespenst geht um im Interim Management – die Digitalisierung!?

Nein, ich schreibe kein Manifest, beschäftige mich aber in diesem Beitrag mit der Digitalisierung im Interim Management Umfeld bzw. mit den vermeintlich fehlenden Skills von Interim Managern im Umgang mit „neuen“ Medien. In einem von mir sehr geschätzten Blog der Kollegen von UnitedInterim wird momentan darüber diskutiert, ob und inwieweit Interim Manager mit eingeschränktem „digitalen Skill-Set“ eine Gefahr für sich oder gar ihre Mandanten seien.

Den Vlog-Beitrag finden Sie unter folgendem Link.

Ja, Digitalisierung wird uns durch Covid19 in Zukunft immer mehr beschäftigen und auch im Umgang mit modernen Kommunikationstools muss sich der eine oder andere Interimkollege selbst optimieren, um den Anschluss nicht zu verlieren. Dennoch sollten wir nicht ausschließlich in „Schwarz“ und „Weiss“ denken. Es wird fast gar unterstellt, als hätten wir vor Corona nur mit Rechenschiebern gearbeitet. Auch vor Corona wurden mittels technischer Lösungen Entfernungen überbrückt und mit internationalen Kollegen aus der ganzen Welt digital an Projekten gearbeitet. Ob WebEx, LoopUp, AT&T oder MS-Teams – nach meiner Beurteilung und Erfahrung aus meiner 15jährigen Tätigkeit als Interim Manager kommen wir also nicht vollends aus der digitalen Steinzeit.

Sicherlich mag es die von Dr. Harald Schönfeld genannten Interim Manager geben, für die das Kopieren eines Links eine technische Unmöglichkeit darstellt. Auch bin ich davon überzeugt, dass es den Interim Manager gibt, der sich vor acht Jahren das letzte Mal mit seinem Xing-Profil beschäftigt hat und sich wahrscheinlich wundert, dass es Xing und/oder gar das ganze Internet überhaupt noch gibt.

Ich persönlich halte ein gewisses technisches Skill-Set auch für unabdingbar, um ein Mandat professionell und gemäß der Ziele des Mandanten umzusetzen. Dennoch kommt mir in der Gesamtbetrachtung des „Pakets Interim Manager“ das zu kurz, warum sich Mandanten für die Zusammenarbeit mit Interim Managern entscheiden. Es werden kurzfristig verfügbare, flexible Professionals mit langjähriger Berufserfahrung und meistens auch spezialisiertem, am Markt wenig vorhandenen Wissen gesucht und mandatiert. Um beim Beispiel von Dr. Schönfeld zu bleiben, glaube ich persönlich nicht, dass die fehlende Fähigkeit des Linkkopierens am Ende des Tages ein „blocking point“ sein wird. Abgesehen davon: ich wurde noch nie im Rahmen der Mandatsanbahnung gefragt, ob ich einen Link kopieren kann :-).

Können wir uns darauf einigen, dass digitales Know-how immer wichtiger wird, aber dennoch nicht „kriegsentscheidend“ ist? Ich sehe hier auf jeden Fall keine Situation eintreten, dass Berufskollegen in Zukunft vor Suppenküchen anstehen müssen, weil sie den einen oder anderen technischen Skill nicht mitbringen!

In diesem Sinne – ein schönes Wochenende und bleiben Sie gesund!