Das Jahr 2020 – ein nachdenklicher Rückblick…..

Das Jahr 2020 nähert sich unweigerlich dem Ende. Zwischen Lebkuchen und Weihnachtsbaum ein guter Moment innezuhalten und ein ganz außergewöhnliches Jahr Revue passieren zu lassen.

Was hat uns im Jahr 2020 besonders beschäftigt und mit welchen Herausforderungen hatten wir zu kämpfen? Wie sicherlich bei vielen Anderen war auch bei mir die Corona-Pandemie tagtäglicher Begleiter – teilweise auch verbunden mit Sorgen, wie uns diese Pandemie auch noch mindestens das Jahr 2021 beschäftigen und einschränken wird und was Corona für das Geschäftsmodell und meine Passion Interim Management bedeutet. Ursprünglich hatte ich die Befürchtung, mich nach Ablauf eines Mandates in der pharmazeutischen Industrie Ende Oktober, auf eine längere Zeit ohne Mandatierung einstellen zu müssen. Nach vielen Gesprächen mit Kollegen aus dem Interimumfeld, aber auch aus Kenntnis der „Saure Gurken Monate“ im Interimbusiness rechnete ich eigentlich mit einer sinkenden Auslastung.

Nach meiner Erfahrung sind die Sommermonate Juli/August/September und die Monate um Weihnachten und den Jahreswechsel Dezember/Januar die schlechtesten Monate, um ein neues Mandat „einzutüten“. Im Sommer bedingt durch die Ferienzeit und oftmals urlaubsbedingte Abwesenheit der Entscheider und im Dezember/Januar durch ausgeschöpfte Budgettöpfe und den vorweihnachtlichen Stress in den Kundenbetrieben.

„Saure Gurken Monate“ im Interimbusiness

Entgegen meiner Erwartungen ging dann doch alles ziemlich schnell und innerhalb einer Woche fand ich mich wieder dort, wo ich mein Mandat vor knapp vier Jahren beendet habe. Glücklicherweise wird mein Schwerpunkt Human Resources immer gebraucht – ob in der Krise oder in einer Hochphase. Dennoch weiß ich von vielen Berufskollegen, die angesichts fehlender Mandate, wieder über eine Festanstellung nachdenken. Ich persönlich würde diese Entscheidung soweit wie möglich herauszögern, da in meiner Wahrnehmung Interim Management nicht nur Beruf, sondern auch Leidenschaft ist, für die es sich zu kämpfen lohnt. Es wird – hoffentlich schnell – eine Zeit nach bzw. mit Corona geben und die kurzfristig verfügbare und spezialisierte Expertise von Interim Managern wieder gebraucht und abgerufen werden.

Weltpolitisch hat mich persönlich der Wahlkampf und das – „vorläufige“ – Ergebnis um die amerikanische Präsidentschaft am meisten interessiert. Zwar verstehe ich das Prinzip der Wahlleute bis heute nur in den Grundzügen, konnte mir dennoch meine Meinung bilden. Auch wenn es in den vergangenen Jahren aufgrund seiner sonstigen Eskapaden untergegangen sein mag, war die Präsidentschaft unter Donald Trump nicht ganz erfolglos. Er ging das China-Problem an, um zu verhindern, dass die Volksrepublik die USA als größte Wirtschaftsmacht ablöst. Auch bot er den amerikanischen Pharmafirmen die Stirn und baute Druck auf, dass die Medikamentenpreise nicht weiter ins Unermessliche steigen (in kaum einem anderen Land sind Arzneimittel teurer als in den USA). Unbestritten hat der US-Präsident von seinem Vorgänger eine stabile Wirtschaft geerbt. Mit seinen Steuersenkungen hat er diese aber weiter befeuert. Die Arbeitslosenquote erreichte 2018 ein 50-Jahres-Tief, die Börsen legten ebenfalls zu. Ende 2019 arbeiteten sechs Millionen mehr USA-Amerikaner als Ende der Obama-Ära. Und bis vor der Corona-Krise sah es nicht aus, als ob sich hier was ändern würde. Doch dieses Jahr verzeichneten die USA die höchste Quote an Arbeitslosigkeit seit den 30er-Jahren. Dies dürfte auch an Trumps zögernden Reaktion in der Corona-Krise liegen, aber primär am System der Vereinigten Staaten selbst: Kurzarbeit ist in den USA nämlich gänzlich unbekannt. Auch seine Erfolge um den Frieden im Nahen Osten sollten Erwähnung finden: Bahrein, die Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel haben einen Friedensvertrag unterzeichnet. Dass zwei arabische Golfstaaten Israel anerkennen, ist durchaus ein aussenpolitischer Erfolg für den US-Präsidenten. Einige Golfstaaten hatten in den letzten Jahren zwar bereits in aller Stille Beziehungen zu Israel gepflegt. Mit dem Abkommen dürften die Wirtschaftsbeziehungen allerdings deutlichen Aufschwung erfahren.

Ungeachtet seiner Erfolge, die ich im Verhältnis zur Dauer seiner Amtszeit relativ spärlich finde, halte ich ihn für menschlich ungeeignet eine Weltmacht zu führen. Seine Arroganz im Einklang mit einem nur rudimentär vorhandenen Allgemeinwissen und gepaart mit fehlender Einsichts- und Lernbereitschaft disqualifizieren ihn in meinen Augen als Repräsentanten der Weltmacht USA. Ich habe mich sehr über den Wahlsieg von Joe Biden gefreut – auch wenn Biden der Älteste amtierende Präsident der USA (78 Jahre bei Amtseintritt und damit älter als Ronald Reagan zum Ende seiner zweiten Amtszeit) sein wird.

Auch kann ich mich noch gut an die Krawalle in der Stuttgarter Innenstadt im Juni 2020 erinnern. Bei schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei hatten sich Dutzende gewalttätige Kleingruppen die Stuttgarter Innenstadt verwüstet und mehrere Beamte verletzt. Die Polizei hatte dann von 20 vorläufigen Festnahmen und mehr als einem Dutzend verletzten Polizisten berichtet. Während einer Kontrolle anlässlich eines Drogendelikts hatten sich viele Feiernde gegen die Polizisten solidarisiert. Die Menschen, viele von ihnen vermummt, zogen dann randalierend in Richtung Schlossplatz. Es flogen Pflastersteine auf vorbeifahrende Polizeiautos, Schaufenster wurden eingeschlagen und Geschäfte geplündert. Parteiübergreifend wurden die Ausschreitungen scharf verurteilt. So twitterte damals der Oberbürgermeister von Stuttgart, Fritz Kuhn, dass es ein trauriger Sonntag sei. Winfried Kretschmann, als Ministerpräsident des Landes sprach von einem „brutalen Ausbruch der Gewalt“. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl gab an, die Randalierer im Alter zwischen 13 und 29 Jahren hätten sich vor ihrem Gewaltausbruch weder verabredet noch abgesprochen. Es habe sich vielmehr um einen „spontanen“ Exzess gehandelt. „Die Tatverdächtigen sind jung, ganz überwiegend männlich, und sie kommen aus Stuttgart oder dem näheren Umland“, so Strobl. Seinen Angaben zufolge hätten rund 85 Prozent der Tatverdächtigen einen Migrationshintergrund oder eine ausländische Staatsangehörigkeit gehabt. Drei Viertel der Verdächtigen seien polizeibekannt. An die Adresse der noch nicht identifizierten Täter gewandt, sagte Strobl: „Niemand, der an diesen Krawallen und Plünderungen beteiligt war, kann sich in Sicherheit wiegen.“

In diesem Sinne – einen wunderschönen Jahresausklang mit Freunden oder Familie, einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2021 und dass alle Ihre Wünsche in Erfüllung gehen! Ich freue mich auf ein spannendes, aber auch herausforderndes Jahr 2021!